Hans Habe

Feindbegegnung

Der Schriftsteller und Journalist Hans Habe. Eine multimediale Biografie

Hans Habe, geboren 1911 als János Békessy, ist noch ein Teenager, als 1926 der größte Medienskandal der Ersten Republik über die Familie hereinbricht. „Hinaus mit dem Schuft aus Wien!“, fordert Karl Kraus und meint damit Imre Békessy, Habes Vater, einen ungarischen Zeitungsverleger, dem er „Erpressungsjournalismus“ unterstellt. Es kommt zum öffentlichen Schlagabtausch, am Ende verlässt der Vater gekränkt Österreich für immer, während der Sohn die Scherben seiner Existenz aufsammeln muss.

Als junger Reporter landet Habe den ganz großen Coup: Er macht Hitlers ursprünglichen Familiennamen „Schickelgruber“ öffentlich, geht dann als Korrespondent des Prager Tagblatts zum Völkerbund, beginnt Romane zu schreiben und meldet sich bei Kriegsbeginn 1939 zur französischen Fremdenlegion. Er wird gefangen genommen, kann seine jüdische Herkunft verbergen und schließlich fliehen, kommt über Portugal in die USA und landet mit „Ob tausend fallen“ einen Weltbestseller. Habe wird amerikanischer Staatsbürger, meldet sich freiwillig zur Armee, bildet dort andere Exilanten in psychologischer Kriegsführung aus, ist bei der Befreiung Frankreichs ganz vorne mit dabei und baut nach 1945 in der amerikanischen Besatzungszone auf deutschem Gebiet die freie Presse gänzlich neu auf.

Ab den 1950er Jahren wird er zum erfolgreichen Kolportageautor, geht von Österreich in die Schweiz, heuert beim Axel Springer Verlag an und arbeitet sich in die vorderste Front vor als Gegner der Achtundsechziger-Generation. Er strengt zahlreiche Ehrenbeleidigungsprozesse an, korrespondiert mit berühmten Autorenfreunden, darunter Erich Maria Remarque und Erika Mann, heiratet ganze sechs Mal und stirbt nach der Ermordung seiner Tochter Marina, eines der Opfer der „Manson Family“, als gebrochener Mann 1977 im Schweizer Exil.

Ein kämpferischer Geist, ein immens harter Gegner im verbalen Schlagabtausch mit einer jüngeren, wesentlich liberaleren Generation, aber auch ein Verfechter des freien Worts: Hans Habe bleibt Zeit seines Lebens Protagonist einer Streitkultur, wie wir sie heute kaum noch kennen und leben.